Nachruf Egmont Franz Topits

Egmont_Franz_TopitsNachruf auf Visitator em. EGR Egmont Franz Topits

von Weihbischof Dr. Reinhard Hauke, Diözesanadministrator

Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorge

 

Im Weihnachts- und Neujahrsgruß von Visitator EGR Egmont Franz Topits war zu lesen:

„Das Jahr 2013 begann hoffnungsfroh und mit persönlichem Wohlbefinden. Auf dem Gebiet meiner liturgiewissenschaftlichen Forschungen zeigten sich erste Erfolge. Nach und nach entdeckte ich auch die Methode des wissenschaftlichen Arbeitens neu. Auch gelang es mir, einen Ausweis zu erwerben, der mir den Zugang zur gesamten Uni-Bibliothek in Würzburg ermöglichte. … Mein 45. Priesterjubiläum beging ich in aller Stille in Gremsdorf am 21. April unter dramatischen Umständen. Fast hätte ich die Messfeier nicht vollenden können. … Aus gesundheitlichen … Gründen umging ich die weltliche Feier meines 70. Geburtstages… Umso dankbarer bin ich, dass ich einige Tage später an der von der Erzdiözese angebotenen Fahrt nach Venedig teilnehmen durfte.. .. Nun gab es letzte Woche bezüglich meiner gesundheitlichen Situation überraschender Weise eine unangenehme Feststellung: auch mein Herz hat unter den Chemo-Giften gelitten und sei schwach geworden. … So gilt es die neue Herausforderung anzunehmen. Gott ist mit den Mutigen!“

Dem Schreiben ist ein Reisebericht nach Venedig beigefügt, worin Visitator Topits vor allem seine Suche nach den Reliquien des heiligen Gerhard von Sagredo beschreibt, des ersten Bischofs der Heimatdiözese von Visitator Topits, der Diözese Tschanad, die heute in drei Diözesen aufgeteilt ist. Er fand Reliquien in der Taufkirche des Heiligen „Santa Maria und Donatus“ und in „San Giorgio“ – dem Kloster, in dem der heilige Gerhard viele Jahre als Mönch und Abt gelebt hatte.

Liturgie, kirchliche Kunst und die Geschichte der Donauschwaben waren die Bereiche, in denen sich der Priester Egmont Franz Topits bestens auskannte. Mit Eifer forschte er nach den Aussagen von Vertretern der Liturgischen Bewegung zum Thema „Opfergang – Gabenbereitung“. In den Gemeinden, in denen er selbst als Priester tätig war, bemühte er sich um die Beachtung der Richtlinien für die Liturgie, die vom 2. Vatikanischen Konzil vorgegeben worden waren. Oft bedauerte er, dass „in den meisten Gemeinden nicht mal 30% von dem verwirklicht wurden, was die Konzilskonstitution vor 50 Jahren angestoßen hat“  (Zitat aus seinem Bericht von 2013). Wie ein Vermächtnis und Hinweis auf das Ende seines Lebens lautet der Satz in seiner mail an mich vom 26. Dezember 2013:

„Ich arbeite auf dem Gebiet der Gabenbereitung. Meine letzte Aufgabe lautet: der Opfergang (die Gabenprozession) bei den Vertretern der Liturgischen Bewegung. Es ist ja der Bereich des Messbuches, der fast nirgends umgesetzt wurde.“

Um dem Anliegen des lieben Verstorbenen auch heute noch einmal zu entsprechen, lade ich ein, die Worte in den Rubriken und im Gebetsteil der Gabenbereitung zu bedenken. Wir lesen unter der Überschrift „Gesang zur Gabenbereitung“ als Rubrik:

„Das Herbeibringen und die Bereitung der Gaben können von einem geeigneten Gesang oder von Orgelspiel begleitet werden oder auch in Stille geschehen. Es empfiehlt sich, dass die Gläubigen ihre Teilnahme durch eine Gabe bekunden. Sie können durch Vertreter Brot und Wein für die Eucharistiefeier oder selbst andere Gaben herbeibringen, die für die Bedürfnisse der Kirche und der Armen bestimmt sind. Auch die Geldkollekte ist eine solche Gabe.“

Das Herbeibringen der Gaben von Brot und Wein ist ein sinnfälliges Zeichen für verschiedene Themen christlichen Lebens. Es zeigt z.B. die gemeinschaftliche Verantwortung für die Mitchristen und auch über den Rand der Gemeinde hinaus. Gerade an Erntedank wird diese Verantwortung sichtbar, wenn Gaben aus Garten, vom Feld und aus dem Wald nach vorn getragen werden und die Gaben von Brot und Wein die Spitze der Prozession bilden. Kirche und Gemeinde gehen nicht ohne Hingabe und Opferbereitschaft. Eucharistiefeier geht nicht ohne Hingabe und Opferbereitschaft. Auch wenn manchmal dieses Zeichen sehr klein und verkümmert erscheint, so ist es doch ein bedeutungsvolles Tun der Gemeinde, die sich damit einschwingt in die Hingabe Jesu Christi, an der sie in der Feier der Eucharistie teilhaben darf und die das eigene Leben prägen soll.

Das Herbeibringen der Gaben zeigt weiterhin, wie Gott sich auf den Menschen und sein Tun und Schaffen einlässt. Es sind Gaben, die von uns Menschen aus den Gaben der Schöpfung hergestellt wurden. Sie sind nicht das Manna, das vom Himmel gefallen ist, sondern stammen aus dem Mühen um diese Schöpfung. Diesen Teil der Schöpfung und des Menschen möchte Gott verwandeln und damit schon anfanghaft die Schöpfung selbst. Die Geistbitte oder Epiklese über die Gaben und die anwesenden Mitfeiernden im nachfolgenden Hochgebet zeigt nochmals die Verwandlung der Gaben dieser Schöpfung in die Gaben des Himmels.

Das Herbeibringen der Gaben geschieht als Bewegung auf einem Weg. Die „Kirche unterwegs“ findet darin einen Ausdruck. Kirche ist nichts Starres, auch wenn sie sich manchmal zu wenig bewegt. Das 2. Vatikanische Konzil hat Kirche in Bewegung bringen wollen. Leider ist dieser Impuls oftmals nicht angekommen. Visitator Topits hat es oft beklagt. Papst Franziskus verweist heute darauf, dass es Erstarrungsformen in der Kirche gibt und wünscht sich einen neuen Geist, der vor allem die Armen im Blick hat, die von unseren Gaben profitieren sollen. Wer sich auf den Weg macht, gibt der notwendigen Veränderung eine Chance.

Die Gabenprozession gipfelt in den Begleitgebeten zur Gabenbereitung:

Gepriesen bist du, Herr, unser Gott, Schöpfer der Welt. Du schenkst uns das Brot, die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit. Wir bringen dieses Brot vor dein Angesicht, damit es uns das Brot des Lebens werde. Gepriesen bist du in Ewigkeit, Herr, unser Gott.

Gepriesen bist du, Herr, unser Gott,  du schenkst uns den Wein, die Frucht des Weinstocks und der menschlichen Arbeit. Wir bringen diesen Kelch vor dein Angesicht, damit er uns der Kelch des Heiles werde. Gepriesen bist du in Ewigkeit, Herr, unser Gott.

Brot und Wein – die Gaben des Volkes, der Erde, des Weinstocks und der menschlichen Arbeit, sind auf dem Altar angekommen. Damit ist der Mensch und seine Arbeit angekommen. Damit ist die Chance auf eine Verbundenheit zwischen Himmel und Erde gegeben, die sich auch schon in der Zugabe von Wasser in den Wein zeigt, wozu gebetet wird:

„Wie das Wasser sich mit dem Wein verbindet zum heiligen Zeichen, so lasse uns dieser Kelch teilhaben an der Gottheit Christi, der unsere menschliche Natur angenommen hat.“

So wie Gottheit und Menschheit in Jesus Christus verbunden sind, so wird auch der feiernde Mensch durch den Empfang der göttlichen Gabe zu einem Mischwesen aus Himmel und Erde.

All das geschieht in der Gabenbereitung. All das war Forschungsinhalt von Visitator Egmont Franz Topits.

Seine irdischen Studien hat er nun unterbrochen. Wir glauben, dass er jetzt schauen darf, was er geglaubt, verkündet  und erhofft hat. Die Anschauung des menschgewordenen und nun verherrlichten Gottessohnes ist unsere bleibende Hoffnung und Freude.

Wir können mit dem Text eines Liedes, das im neuen Gotteslob unter der Nummer 188 zu finden ist, von Raymund Weber 2009 getextet wurde und von Andrew Lloyd Webber 1970 seine Melodie bekommen hat, das Leben des lieben Verstorbenen und sein Vermächtnis beschreiben:

  1. Nimm, o Gott, die Gaben, die wir bringen. Nimm uns selbst an mit Brot und Wein. Alles Mühen, Scheitern und Gelingen wollen wir vertrauend dir, unserm Vater, weihn.
  2. Jesus hat sich für uns hingegeben, durch die Zeit bewahrt in Brot und Wein. Nimm als Lob und Dank auch unser Leben, schließ uns in die Hingabe deines Sohnes ein.
  3. Nimm uns an, sei du in unsrer Mitte, wandle unser Herz wie Brot und Wein. Sei uns nah und höre unsre Bitte, neu und ganz geheiligt von deinem Geist zu sein.
  4. Wie die vielen Körner und die Trauben, eins geworden nun als Brot und Wein, lass uns alle, die wir an dich glauben, eine Opfergabe als deine Kirche sein.

 

Amen.

 

Stationen seines Lebens:

1943                am 20. Oktober in Arad (Banat/Rumänien) geboren

1968                am 21. April zum Priester in Karlsburg (Diözese Alba Julia/Rumänien) geweiht

1968                Pfarrvikar in Orzidorf (Diözese Temeswar / Rumänien)

1978                Aussiedlung in die Bundesrepublik Deutschland

1978                Subsidiar in Sambach

1982                Weltoblate der Abtei Münster Schwarzach

1989                Inkardination und Pfarrer der Erzdiözese Bamberg

2001                Ernennung zum Erzbischöflichen Geistlichen Rat

2006                Leitender Pfarrer des Seelsorgebereichs Ebrachgrund

2007                Pfarrer i. R.

2011 – 2013    Visitator für die Donauschwaben und Deutschen aus Südosteuropa

2014                am 14. Februar in Höchstadt a. d. Aisch verstorben

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